Annäherung an Else
2025
9teilige Serie, Erde aus dem Elsengrund und Aquarellfarbe auf Papier, 29,7 x 42 cm
Eine Führung zum „Gedenkstein im Elsengrund“ im Gutspark Neukladow hat mich nachhaltig berührt. Obwohl ich hier schon unzählige Male spazieren gegangen bin, habe ich diesem Ort noch keine Beachtung geschenkt. Ich wurde neugierig, vor allem auf Else. Aus dem Vortrag ging hervor, dass sie eine sehr innige Beziehung zu ihrem Bruder Johannes Guthmann (1876 - 1956 ) gehabt haben muss. Er beauftragte den Bildhauer August Gaul diesen Gedenkstein für seine früh verstorbene Schwester Else (1870-1910 ) zu schaffen. Die Inschrift zitiert Verse aus Goethes Trauerspiel: „Die natürliche Tochter“. Ich fragte mich, ob die Hauptfigur der Eugenie im goetheschen Trauerspiel etwas mit der Biographie von Else gemein habe und kam zu dem Schluss, dass es weniger um die Figur selbst, als um den Geist der Verse ging. Sie sprechen von Trauer, aber auch von Liebe und einer tiefen Sehnsucht nach Bewahrung und geistiger Nähe.
Else von Morgen war nur 40 Jahre alt geworden, hatte mehrere Kinder, darunter eine Tochter. Über eine Stammbaumwebseite stieß ich auf ein Foto ihrer Tochter Sophie Marie Elisabeth (1895-1970 ). Diese Abbildung faszinierte mich von Anfang an und wurde zur Quelle der Porträtserie: „Annäherung an Else“.
Auf besondere Weise treffen nun hier zwei Töchter aufeinander: „die natürliche Tochter“ des goetheschen Trauerspiels und die Tochter von Else.
Und bleibe mir, du vielgeliebtes Bild,
Vollkommen, ewig jung und ewig gleich!
Lass deiner klaren Augen reines Licht
Mich immerfort umglänzen! Schwebe vor,
Wohin ich wandle, zeige mir den Weg
Durch dieser Erde Dornenlabyrinth!
Du bist kein Traumbild, wie ich dich erblicke;
Du warst, du bist. Die Gottheit hatte dich
Vollendet einst gedacht und dargestellt.
So bist du teilhaft des Unendlichen,
Des Ewigen, und bist auf ewig mein.
Inschrift auf dem Gedenkstein, zitiert aus: „Die natürliche Tochter“ von Goethe
